Das Moll übernimmt die Patenschaft für das Mahnmal für die Opfer der NS-Zwangssterilisation in Mannheim.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden in Mannheim mehr als 1.900 Menschen auf Grundlage des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ gegen ihren Willen sterilisiert. Die Betroffenen galten den nationalsozialistischen Machthabern aufgrund angeblichen „Schwachsinns“, psychischer Erkrankungen, körperlicher Beeinträchtigungen oder anderer zugeschriebener Merkmale als „erbkrank“ und damit als unerwünscht.

Die Zwangssterilisationen bedeuteten für die Opfer einen schweren Eingriff in ihre körperliche Unversehrtheit und ihre Menschenwürde. Viele litten lebenslang unter den körperlichen Folgen der Operationen, unter seelischen Verletzungen sowie unter gesellschaftlicher Ausgrenzung und Stigmatisierung. Ihnen wurde das Recht genommen, selbst über ihr Leben und ihre Familienplanung zu bestimmen.

Diese Verbrechen waren nicht das Werk Einzelner. An ihrer Durchführung waren Ärzte, Richter, Lehrkräfte, Fürsorger, Verwaltungsbeamte und zahlreiche Denunzianten beteiligt. Sie meldeten Menschen, begutachteten sie, fällten Urteile oder setzten die Maßnahmen um. Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft wurden die meisten Verantwortlichen niemals juristisch zur Rechenschaft gezogen.

Dieses Mahnmal erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Zwangssterilisationen. Es steht stets an einem öffentlichen Ort – in diesem Jahr an der Lanz-Kapelle auf dem Lindenhof – und mahnt dazu, die Würde jedes Menschen zu achten sowie Ausgrenzung, Diskriminierung und menschenverachtenden Ideologien entschieden entgegenzutreten.

Im kommenden Schuljahr haben das Moll-Gymnasium und das Bach-Gymnasium gemeinsam die Patenschaft für das Mahnmal übernommen. Die Betreuung des Erinnerungsortes soll dazu beitragen, die Geschichte der Opfer lebendig zu halten und ihre Schicksale im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern.

Im Laufe des Schuljahres werden die Schülerinnen und Schüler sich im Unterricht und in schulischen Projekten immer wieder mit Themen wie Entrechtung, Ausgrenzung, Menschenwürde, Demokratie und gesellschaftlicher Verantwortung auseinandersetzen. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit soll dabei nicht nur der Erinnerung dienen, sondern auch den Blick für aktuelle Herausforderungen schärfen und dazu ermutigen, sich für eine offene, demokratische und menschenwürdige Gesellschaft einzusetzen.

Text und Foto: M. Happes