Einen eindrucksvollen und bewegenden Vormittag erlebten die Schülerinnen und Schüler der J2 sowie das LF Geschichte J1 beim Besuch von Dr. Wolfgang Welsch am Moll-Gymnasium Ende Januar.

In einem rund 90-minütigen Vortrag sprach er über sein Leben in der DDR, über politische Verfolgung, Haft und Widerstand – und über seinen langen Kampf gegen das SED-Regime und das Ministerium für Staatssicherheit.

Zu Beginn stellten Emma (J1) und Reham (J2) unseren Gast ausführlich vor, sodass allen klar wurde, welche außergewöhnliche Persönlichkeit vor ihnen stand. Wolfgang Welsch, 1944 in Berlin geboren und in Ostberlin aufgewachsen, war zunächst Schauspieler und arbeitete unter anderem bei der DEFA, am Deutschen Theater und beim Deutschen Fernsehfunk. Doch weil er systemkritische Gedichte schrieb und öffentlich vortrug, geriet er früh ins Visier der Stasi.

Ein misslungener Fluchtversuch im Jahr 1964 führte zu seiner Verhaftung. In mehreren Prozessen wurde er zu insgesamt fast zehn Jahren Haft verurteilt und verbrachte nahezu sieben Jahre in Gefängnissen wie Berlin-Hohenschönhausen, Bautzen und Brandenburg – Haftorte, die für besonders harte Bedingungen bekannt waren. 1971 wurde er im Rahmen des sogenannten Häftlingsfreikaufs von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft, ein politischer Prozess, der unter anderem von Willy Brandt mitgetragen wurde.

Auch im Westen schwieg Welsch nicht. Er studierte Politikwissenschaft und Soziologie, promovierte über die Arbeitsweise der Stasi und unterstützte in den folgenden Jahren über 220 Menschen bei der Flucht aus der DDR. Damit wurde er für die DDR-Führung endgültig zum Staatsfeind. Unter dem damaligen Stasi-Chef Erich Mielke wurden mehrere Mordanschläge auf ihn geplant – darunter eine Autobombe, ein Schussanschlag in England und ein Giftanschlag. Nur knapp überlebte er diese Attentate und erst nach dem Ende der DDR konnten die Hintergründe durch Aktenfunde eindeutig belegt werden.

Gebannt lauschten die Schülerinnen und Schüler seinen Schilderungen. Die Mischung aus persönlicher Betroffenheit, historischer Einordnung und beeindruckender Standhaftigkeit machte den Vortrag ebenso spannend wie faszinierend, was die interessierten Fragen nach Ende des Vortrags belegten. Herr Welsch berichtete nicht nur von Repression und Unrecht, sondern auch von Mut, Entschlossenheit und dem Wert von Freiheit und Demokratie. Sein Besuch am Moll-Gymnasium hat eindrücklich gezeigt, dass Geschichte nicht abstrakt ist, sondern aus persönlichen Entscheidungen, Risiken und Verantwortung besteht – Verantwortung und Einsatz, die wir auch für unsere Demokratie zeigen sollen.

Text: M. Happes & Bilder: PR-AG - Schüler/innenpresse am Moll

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